2. September 2026

Sonnenenergie für Saint-Gobain Pampus — Stadtwerke bauen Willichs größte Freiflächenanlage

  • Investition von rund 1,2 Millionen Euro für 10.000 Quadratmeter Photovoltaik
  • Vertrag über Stromabnahme direkt vor Ort bringt beiden Partnern Vorteile

Im Industriegebiet Am Nordkanal bauen die Stadtwerke derzeit Willichs größte Frei­flächen Photovoltaik-Anlage: Rund 10.000 Quadratmeter an Solarmodulen werden voraussichtlich ab Oktober 2026 Strom produzieren. Er fließt direkt über eine neu verlegte Mittelspannungsleitung in das rund 300 Meter entfernte Werk des Unter­nehmens Saint-Gobain Performance Plastics Pampus GmbH.

Onsite Power Purchase Agreement (Onsite PPA), so nennt sich in der Fachsprache das, was die Stadtwerke und Saint-Gobain Pampus miteinander vereinbart haben. Über­setzt: ein Vertrag über eine Stromabnahme direkt vor Ort. Der funktioniert so: Die Stadtwerke pachten vom Unternehmen die ungenutzte Freifläche, errichten dort eine Solaranlage und liefern den Strom in den kommenden 20 Jahren zu einem fest vereinbarten Preis direkt an das Werk.

Die Vorteile für das Unternehmen fasst Oliver Otto, Projektleiter bei Saint Gobain Pampus, zusammen: „Wir benötigen in unserem Willicher Werk jährlich fast sechs Millionen Kilowattstunden an Strom, da bringt uns ein fester Preis in diesen volatilen Zeiten Planungssicherheit. Außerdem entfallen für den in der PV-Anlage produzierten Strom die Netzentgelte, wir sparen Umlagen und Abgaben. Vor allem aber leisten wir einen Beitrag zu den kommunalen Klimazielen durch vollständig aus Sonnen­energie erzeugten Strom.“

Feste Erlöse über langen Zeitraum

Die kompletten Investitionskosten der Anlage von rund 1,2 Millionen Euro tragen die Stadtwerke. Für sie ist es das erste Projekt dieser Art, an dessen Umsetzung sie rund drei Jahre lang gearbeitet haben. „Es handelt sich um eine langfristige Inves­tition, deren Erlöse über einen langen Zeitraum kalkuliert wurden“, sagt Stadt­werke-Projektleiter Mario Sagner. „Gleichzeitig können wir Kosten einsparen, unter anderem für den Handel und die Vermarktung.“ Diese Kombination aus gesicherten Einnahmen und reduzierten Kosten mache das Modell für den kommunalen Energie­versorger wirtschaftlich reizvoll.

Die Anlage, die im Schiefbahner Industriegebiet entsteht, ist auf maximalen Eigen­verbrauch ausgerichtet. Heißt: Auch zu Spitzenzeiten produzierter Strom, etwa mittags bei strahlendem Sonnenschein, kann von Saint-Gobain Pampus nahezu vollständig verbraucht werden — nur wenig Strom fließt zu den niedrigeren Konditionen des EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) ins Netz.

„Damit der Strom möglichst gleichmäßig produziert wird, haben wir die Module nach Ost-West ausgerichtet“, sagt Projektleiter Mario Sagner. „So lassen sich auf der Fläche auch mehr Module unterbringen.“ Sie werden jährlich rund 1,6 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren, also mehr als ein Fünftel der Energie, die Saint-Gobain Pampus benötigt.

Solarenergie als Standortfaktor

Der Geschäftsführer der Stadtwerke, Tafil Pufja, sieht Onsite PPA als ein wichtiges Geschäftsfeld für kommunale Versorger und Unternehmen. „Lokale Betriebe wissen es sehr zu schät­zen, wenn Solarstrom in der Region erzeugt wird. Und auch bei Neuansiedlungen ist das ein bedeutsamer Standortfaktor.“ Insofern habe man durch die Kooperation mit Saint-Gobain Pampus wichtige Erfahrungen gesammelt, die sich multi­plizieren ließen.

Gleichzeitig habe man es mit einem durchaus anspruchsvollen Geschäftsfeld zu tun: „Onsite PPA sind kapitalintensiv und sie binden das Geld über lange Laufzeiten. Daher müssen die Risiken gut im Blick behalten werden und die Projekte müssen zum gesamten Portfolio passen“, so Tafil Pufja.

Unternehmen, die sich für einen Vertrag über die Vor-Ort-Stromabnahme interes­sieren, sollten drei Faktoren in den Blick nehmen: die Gesamtmenge der jährlich verbrauchten Kilowattstunden Strom, die Eigenverbrauchsquote und eine geeignete Fläche.

Mario Sagner: „Das kann eine Frei­fläche mit Bebauungsplan sein oder eine Dach­fläche. In jedem Fall schauen wir uns immer alle drei Faktoren an und entscheiden, ob ihre Kombination passt.“ Derzeit prüfen die Stadtwerke zwei weitere Frei­flächen, die ebenfalls als Onsite PPA möglich wären: eine in Anrath, die zweite in Alt-Willich.

Kommunale Energiewende gestalten

Für Geschäftsführer Tafil Pufja passt das Solar-Projekt in Schiefbahn perfekt zur strategischen Ausrichtung der Stadtwerke: „Wir realisieren eigene Erzeugungs­projekte wie die Windturbinen in Münchheide und Dickerheide oder die PV-Anlage für Saint-Gobain Pampus und organisieren die Nutzung des Stroms direkt vor Ort. Energie aus der Region für die Region: So gestalten wir aktiv die kommunale Energie­wende.“

Über Saint-Gobain Pampus

Saint-Gobain Performance Plastics Pampus GmbH fertigt in Willich Schiefbahn seit mehr als fünf Jahrzehnten wartungsfreie Gleitlager und Folien aus Hochleistungs­werk­stoffen. Rund 380 Mitarbeitende beliefern von hier aus vor allem die Auto­mobil­industrie sowie weitere Industriebranchen weltweit. Das Unternehmen inves­tierte kontinuierlich in moderne Fertigungsanlagen — ein klares Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Willich und zur weiteren Stärkung der lokalen Produk­tionskapazitäten.

Weitere Informationen zu Saint-Gobain Pampus in unserem Faktenblatt.

10.000 m² PV-Freifläche am Nordkanal – ein Pilotprojekt der Stadtwerke Willich und Saint-Gobain Pampus. Von links: Mario Sagner (PL), Tafil Pufja (GF), Oliver Otto (PL), Markus Gatzen (GF). (Foto: Stadtwerke Willich)

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